Wandrers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich hin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

Johann Wolfgang Goethe


Der späte Gast

Das Fest den Höhepunkt begießt,
die Gier kein Angebot verpaßt.
Der Überfluß in Strömen fließt-
"Phantastisch", grüßt ein später Gast,
"nur schade, daß ich so in Eil',
doch bad' ich mich im Angebot,
und nehme, gut gewählt, mein Teil-
Gestatten Sie, ich bin der Tod."

Franz Krämer


Schlußstück

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen

mitten in uns.

Rainer Maria Rilke
(1875 - 1926)


Die Engel

Sie haben alle müde Münde
und helle Seelen ohne Saum.
Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)
geht ihnen manchmal durch den Traum.

Fast gleichen sie einander alle;
in Gottes Gärten schweigen sie,
wie viele, viele Intervalle
in seiner Macht und Melodie.

Nur wenn sie ihre Flügel breiten,
sind sie die Wecker eines Winds:
als ginge Gott mit seinen weiten
Bildhauerhänden durch die Seiten
im dunklen Buch des Anbeginns

Rainer Maria Rilke
(1875 - 1926)


Do you know
how pale & wanton thrillful
comes death in a strange hour

Unannounced, unplanned for
like a sacring over-friendly guest you 've
brought to bed.

Death makes angels of us all
and give us wings
where we had shoulders
smooth as a ravens claws.


Jim Morrison, An American Prayer